Preisverhandlungen: das ungeliebte Kind


Die Reformdebatte rund um das „Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz“ (AMNOG) hat eine auffällige Schieflage: Es wird vor allem auf die Nutzenbewertung geschaut. Gute Ideen sind im Raum, das Verfahren der Nutzenbewertung weiterzuentwickeln. Das Bundesgesundheitsministerium hat den Reformbedarf erkannt und im September 2026 ein Konzept mit dem ambitionierten Titel „AMNOG 2.0“ präsentiert. Auch hier wird speziell die Methodik der Nutzenbewertung adressiert.

Der zweite Teil des Verfahrens, die Preisverhandlung, wird selten mitgedacht. Strukturelle Eingriffe in diesem Bereich werden überhaupt nicht als AMNOG-Reform diskutiert, sondern „nebenbei“ implementiert. Dies war zuletzt im Sommer 2026 beim großen GKV-Sparpaket zu sehen. Hier wurde der Verhandlungsmechanismus des AMNOG in seiner Bedeutung deutlich abgewertet. Die politische Erzählung drehte sich jedoch nur um die Stabilisierung der Beiträge.

Ich habe mir das System der AMNOG-Preisverhandlungen einmal genauer angeschaut [Link zum Aufsatz]. Wenn man mit dem Weitwinkel auf 15 Jahre Verhandlungspraxis und politisches Tauziehen um diesen Regelungsrahmen schaut, sieht man zum Beispiel:

– Verhandlungen sind eigentlich ein kluger Steuerungsmechanismus. Der Gesetzgeber muss allerdings Kurs halten und darauf achten, dass die Parteien selbst Verantwortung tragen.

– Die Mengenkomponente gehört zu allen Preisverhandlungen dazu, auch zu den „nutzenbasierten“ des AMNOG. Infrage zu stellen ist jedoch, ob es in diesem Punkt länglicher gesetzlicher Vorgaben braucht, die Verhandlungsspielräume beschneiden.

– Eine gute Machtbalance ist für Verhandlungen essentiell. Die Umsetzung im AMNOG ist differenziert zu beurteilen. Die Analyse im Sachverständigenratsgutachten aus 2025 zeigt hier leider kein hinreichendes Systemverständnis.

Insgesamt sind die Selbstregulierungsmöglichkeiten aus meiner Sicht bei weitem nicht ausgeschöpft. Eine konsequente Stärkung des Verhandlungsmechanismus könnte gerade angesichts der globalen Veränderungen im Pharmamarkt eine gute Idee sein. In Einzelverhandlungen lässt sich leichter ein Interessenausgleich finden, der die globalen Veränderungen mitberücksichtigt, als durch generelle Preisvorgaben. Nutzen wir diese Chance.